{"id":862,"date":"2012-12-07T13:20:26","date_gmt":"2012-12-07T11:20:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.xgo.de\/blog\/?p=862"},"modified":"2015-11-26T10:51:35","modified_gmt":"2015-11-26T08:51:35","slug":"die-verruckten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.xgo.de\/blog\/?p=862","title":{"rendered":"Die Verr\u00fcckten aus dem Dschungel"},"content":{"rendered":"<p>Bei unserem <a href=\"http:\/\/www.xgo.de\/blog\/?p=844\">Dschungelausflug<\/a> haben wir uns pr\u00e4chtig am\u00fcsiert, nach der hei\u00dfen Dusche stillen wir dann erstmal den Hunger und dem kleinen Expeditionsteam (Melanie, Micha, Amore und mir) d\u00fcrstet es schliesslich nach Caipis. Anscheinend waren alle Pauschaltouristen vom Regen geschafft, die Bar und Lounge, die sonst immer vor Menschen probevoll war, ist leer und verweist.<br \/>\n<!--more--><\/p>\n<p>Micha und ich bestellen die erste Runde Caipis an der Bar und treffen dort den einsam und allein sitzenden Oberbayer Tobias. Seine 28 z\u00e4hlenden Lenze passen zu uns und wir fragen ihn, ob er sich zu uns setzen m\u00f6chte. Er verneint. Er mag schnell austrinken und dann ins Bett, er wirkt jetzt ein wenig \u00e4ngstlich und sch\u00fcchtern, was er in den letzten beiden Tagen eher nicht war. Micha und ich haken noch mal nach und schlagen vor seinen Caipi bei uns auszutrinken.<br \/>\nTobias: <em>Nein, ich mag nicht, danke.<br \/>\n<\/em>Ich:<em> Warum denn nicht?<br \/>\n<\/em>Tobias:<em> Danke, danke. Au\u00dferdem man h\u00e4tte ihn auch schon vor uns gewarnt!<br \/>\n<\/em>Ich: <em>Wovor denn?<br \/>\n<\/em>Tobias: <em>Man sollte nicht die Zeit mit uns verbringen, das w\u00e4re gef\u00e4hrlich.<br \/>\n<\/em>Micha: <em>Bitte, wer sagt das denn?<br \/>\n<\/em>Tobias: <em>Peter und die Pauschalreisegruppe von Thomas Cook. Wir w\u00e4ren doch<strong> die Verr\u00fcckten<\/strong><\/em>.<\/p>\n<p>Uns verschl\u00e4gt es erstmal die Sprache, man h\u00f6rt das Knirschen der Eisw\u00fcrfel als der Cachaca \u00fcber diese gegossen wird. Aha, wir waren also f\u00fcr die Pauschalreisenden die <em>Verr\u00fcckten<\/em>. Ein L\u00e4cheln glitt \u00fcber unsere Lippen. Wir f\u00fchlen uns geehrt, sehr sogar. Was gibt es sch\u00f6neres als best\u00e4tigt zu bekommen, dass man nicht so ist wie die Massentouristen. Der Schwabe Peter und seine wei\u00dfe Tennissocken und Sandalen tragende Frau, die Ossis und die langweilenden \u00d6sis hatten es gleich gewusst, wir wollen Abenteuer, wir nehmen jedes Schlammloch mit, wir geben uns auch mit einem Economy-Zimmer zufrieden, wenn im Dschungel kein Komfortzimmer verf\u00fcgbar ist, wir gehen im Regenwald auch mal durch den Regen, wir haben festes Schuhwerk dabei, unser <em>S\u00e4ckel<\/em> immer fertig gepackt, wir probieren im Urwald mal Pflanzen und Fr\u00fcchte zu essen, wir packen mit der Hand auch in einen Ameisenhaufen und reiben uns die H\u00e4nde, um das M\u00fcckenschutzmittel des Dschungels auszuprobieren, wir weinen nicht gleich, wenn man nass wird, wir haben Spass auch wenn Menschenmassen wie Kolonialisten ein Nativedorf st\u00fcrmen und kommentieren das entsprechend. Wir sind die Verr\u00fcckten.<\/p>\n<p>Tobias l\u00e4sst sich \u00fcberzeugen und setzt sich zu uns, ihm schmeckt der Caipi anscheinend und er kommt in Fahrt und berichtet von seinen Erlebnissen mit der Reisegruppe. Dass die sieben immer zusammen w\u00e4ren, er mit den Ossis im Economy-Hotel und die \u00d6sis und Schwaben im Komforthotel. Peter w\u00e4re der heimliche Reisef\u00fchrer und hat in den letzten Tagen viele Informationen \u00fcber uns und die anderen gesammelt und die Gruppe hat sich ein genaues Bild \u00fcber uns gemacht. Wir liegen teilweise am Boden, die sich zusammengereimten Geschichten sind der Hammer, z.B. dass die herzliche und gut zuverstehende Amerikanerin Eileen eigentlich Irene hei\u00dft, einen starken Akzent hat, aus Argentinien kommt und von ihrem Sohn zu seiner Hochzeit nach Buenos Aires eingeladen worden ist. Sie war aber auf der Hochzeit ihres ehemaligen Hausm\u00e4dchen und ist durch und durch Amerikanerin.<\/p>\n<p>Peter notiert auch alles, was auf der Reise nicht funktioniert und zu beanstanden ist, er l\u00e4sst sich das immer best\u00e4tigen, um dann bei Thomas Cook reklamieren zu k\u00f6nnen. Er behauptet auch fest, dass man heute kein Regencape brauchte, weil ja bei Start der Wanderung die Sonne schien. Ob das ein Reklamationsgrund ist, darf bezweifelt werden.<\/p>\n<p>Der Abend wird immer l\u00e4nger, die Caipis und Skol flie\u00dfen in Str\u00f6men wie der Regen heute nachmittag, Tobias legt noch nen Schuhplattler hin und gesteht uns, dass er und Antje gerne am Pool rumflirten, wenn Ossi Jens seine Spiegelreflexkamera im Zimmer putzt und seinen G\u00fcrtel f\u00fcr iPhone, Messer und Co neu ausrichtet.<\/p>\n<p>Als wir schlie\u00dflich um Mitternacht ins Bett fallen, tuen uns die Bauchmuskeln weh und wir schlafen schnell ein, mit einem L\u00e4cheln im Gesicht, immer daran denkend, dass wir von den Pauschaltouristen als die\u00a0<em>Verr\u00fcckten aus dem Dschungel<\/em>\u00a0geadelt worden sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bei unserem Dschungelausflug haben wir uns pr\u00e4chtig am\u00fcsiert, nach der hei\u00dfen Dusche stillen wir dann erstmal den Hunger und dem kleinen Expeditionsteam (Melanie, Micha, Amore und mir) d\u00fcrstet es schliesslich nach Caipis. 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