Europa, Russland
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Mein Freund Putin

Gerade habe ich meine Kremltour abgeschlossen, alle Kathedralen, Paläste, die Waffen- und Diamantenschatzkammer besucht und bewundert und mache mich auf dem Weg zum Nikolaustor-Turm, um den Kreml zu verlassen. Von Weitem höre ich schon die Siren der Polizeiwagen aufschrillen, laut preschen mehrere Motorräder an mir vorbei. Peinlich genau beobachten die Palastwachen und viele Soldaten die Besucher, keiner darf einen Fuß vom Bürgersteig auf die Strasse machen. Falls so etwas doch passiert, schrillen mehrere Salven von Pfiffen aus Trillertreiffen durch die Luft. Es liegt eine unbeschreibare Spannung in der Luft, gleich passiert hier irgendwas.

Schwergepanzerte schwarze Limousinen rollen durch das Tor, zwei davon mit den kleinen russischen Flaggen auf der Motorhaube. Kommt da jetzt ein hohes Mitglied des Parteibüros oder gar der Präsident? Die Menge hält den Atem an, nur ein leises Tuscheln ist zu vernehmen. Auf meiner Höhe stoppt der Konvoi plötzlich. Aus den vorderen und hinteren Autos steigt viel Sicherheitspersonal mit dunklen Anzügen aus.

Alle sind verwundert, jeder reckt seinen Kopf um die beste Sicht auf das Geschehen zu bekommen. Was wir sehen, will keiner im ersten Moment glauben. Die Tür der langen Limousine wird geöffnet und der russische Präsident Wladimir Putin steigt aus dem Wagen aus. Ich kann ihn erst gar nicht erkennen, um ihn herum wird er von zuviel Personal abgesichert. Aber die lauten Schreie der um mich herumstehenden Bevölkerung lassen keinen Zweifel zu, er ist es wirklich.

Ich probiere Photos zu machen, aber irgendwie will es mir nicht gelingen. Die Leute drücken ihre Körper in Richtung Konvoi, aufgehalten von den Palastwachen und Soldaten. Ein Herr mit grauen Haaren, langem Offiziersmantel und der klassischen Russenmütze zieht plötzlich zwei Leute aus der Menge und die beiden dürfen zu Putin gehen und einen kleinen Plausch halten sowie ein Photo machen. Neidisch verfolgen wir alle die Szene.

Dann das Unglaubliche, auch ich werde von dem grauen Herren ausgewählt und darf zum Präsidenten. Eine einmalige Chance. Er reicht mir die Hand und auf russisch spricht er mich an, ich stammle, ?No russian, only english or german?. ?Ohhh, aus Deutschland, Willkommen mein Freund in Moskau?. Ich versinke im Boden, ich hatte völlig vergessen wie gut Herr Putin deutsch spricht, schließlich hat er ja längere Jahre in Berlin gelebt. Ich stehe neben einem der wichtigsten und mächtigsten Männer der Welt und ich weiß nicht worüber ich mit ihm smalltalken soll, es ist alles so überraschend.

Wir quatschen dann noch kurz über das Wetter und wie mir die Stadt gefällt. Einer seiner Leibgardisten macht ein Erinnerungsfoto und schon werde ich wieder in die Menge geschoben. Nach mir wird noch ein Pärchen interviewt und nach dieser spontanen Aktion steigt Präsident Putin wieder in seine Limousine und der Konvoi setzt seine Fahrt zum Präsidentenpalast fort.

Der Spuk ist so schnell vorüber, dass ich jetzt erst merke wie mein Herz klopft und mein Puls rast. Einige Russen kommen auf mich zu, sie wollen wissen wie es war, ob er nett war und was er gesagt hat. Ich kriege kein Wort heraus, diese Situation muß ich erstmal verdauen. Diesen 1. April werd ich so schnell nicht wieder vergessen.

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